17.07.2017

Madeiras Märchenwald

Mannomannomann ... wieviel Zeit schon wieder ins Land gezogen ist, wurde mir so richtig deutlich als ich diesen Blogpost vorbereitet habe. Mein Madeira Urlaub war im September 2016. Wir haben fast schon wieder September ... hüstel. So ist das eben manchmal. Eile mit Weile. Ich möchte mir immer gerne Zeit nehmen fürs bloggen und dir schöne Fotos zeigen, damit du einen tollen Eindruck gewinnen kannst, da kann es dann eben auch schon mal alles etwas länger dauern. 😉
Mein Focus soll heute aber mal nicht auf meine Langsamkeit liegen, sondern ganz allein auf diesen bezaubernden Märchenwald.

Madeira

Vom Nebel eingehüllt zeigen sich die knorrigen Stinklorbeerbäume wie seltsame Zeugen einer Welt die wir nicht wahrnehmen können. Farnblätter bedecken die Erde. Moos und Flechten wuchern auf den Ästen der alten Zeitzeugen.  Als ich von diesem Wald zufällig ein Bild auf flickr entdeckte, wusste ich, dort möchte ich einmal sein. Und ja, wegen diesem Wald, wegen diesem einen Bild, wollte ich unbedingt nach Madeira. Und verdammt, es hat sich gelohnt! Denn dieser Märchenwald ist wirklich einzigartig.

Madeira

Zu diesem Wald gelangst du am einfachsten mit einem Mietauto. Denn zunächst musst du auf die Hochebene Madeiras gelangen. Hier musst du als gemeiner Autofahrer aber etwas Vorsicht walten lassen. Denn schlechtes Wetter und Kühe hinter der nächsten Kurve bürgen eine gewisse Gefahr. Lässt man die Rindsviecher aber in Ruhe, trottelten sie irgendwann davon.

Madeira

Beim Forsthaus Fanal gibt es einen kleinen Parkplatz, der eigentlich keiner ist. Man kann sein Auto vor der Schranke abstellen, aber Vorsicht: für mehr als eine Handvoll Autos reicht der Platz nicht aus. Es lohnt sich daher auch hier, entweder sehr früh anwesend zu sein oder erst am späteren Nachmittag. Ich denke aber, dass dieser Wald kaum jemanden bekannt ist und nicht gerade zu den beliebtesten Touren gehört. Denn erstens ist die Wanderung eher ein gemütlicher Spaziergang und zweitens, ist das Wetter im Hochland beinahe immer nebelig, regnerisch, kalt und ungemütlich. Pack' dir also lieber eine Regenjacke ein, wenn du zum Märchenwald möchtest.

Madeira Madeira Madeira

Bereits beim Parkplatz ist eine schöne Baumgruppe zu bestaunen. Wenn du dich von ihr lösen kannst, dann gehe direkt am Forsthaus Fanal vorbei. Direkt vor dir findest du eine Treppe aus Holzstämmen. Der Rundweg beginnt hier. Zur linken Hand ist noch ein netter Grillplatz, der sich, wie ich finde, super als Fotomotiv macht. Ein paar Kühe laufen hier frei herum, aber keine Angst. Tust du ihnen nichts, tun sie dir auch nichts. Folge der Treppe und halte dich oben auf dem Plateau angekommen rechts. Auf dieser Ebene würde es theoretisch bei gutem Wetter eine schöne Aussicht geben, aber nun ja ... bei Nebel sieht man eben nichts außer einer grauen Wand.

Madeira Madeira Madeira

Einzelne Bäume säumen den Weg und werden immer mehr. Ehe du dich versiehst, stehst du mitten im Märchenwald Madeiras. Über Wurzeln führt der Pfad an alten Bäumen entlang, deren Äste teilweise seltsame Windungen annehmen. Das Holz ist über und über mit Moos und Flechten bewachsen, als hätten sich die Bäume ein grünes Fell zugelegt. Es wirkt wie ein Wunder. Der Nebel erscheint wie ein Übergang in eine Zauberwelt. Jeden Moment könnte eine kleine Elfe vorbeiflattern oder ein Hobbit beim suchen eines geeigneten Verstecks über eine Wurzel fallen. Es war, als könnten die Bäume selbst, jeden Moment lebendig werden.

Madeira Madeira

Der Weg führt immer weiter geradeaus bis zu einer Wellblechhütte, ab hier biegt der Weg nach rechts. An der nächsten Gabelung geht es links entlang bis zu einem Schotterweg. Folgt man diesen gelangt man zu einem Aussichtspunkt, der sich irgendwie nur lohnt, wenn kein Nebel herrscht. 😉

Daher geht es weiter auf eine riesige Wiese. Im Nebel erscheint dieses Land wie eine absolute Ödnis. Ein einsamer Baum dient zur Orientierung. Befindet sich der Baum rechts von dir, bist du auf dem richtigen Weg. Nach einer Weile liegt die Ödnis hinter dir und ein weiterer Baum, hinter buschigem Farn, flankiert links den Weg. Der Weg endet kurz darauf, auf einer alten Teerstraße. Halb rechts, vom Anfang dieser Teerstraße, führt ein kleiner Weg direkt zum hinteren Teil des Forsthauses Fanal.

Madeira Madeira Madeira

Wenn du noch nicht genug hast, kannst du noch einen netten Abstecher machen. Gehe am Grillplatz vorbei und folge den Weg zu einem ungewöhnlichen Kratersee. Der kleine Trampelpfad mündet bald in einen breiteren Weg der einen Hügel in zwei Hälften teilt, dieser führt an einigen sehr alten Bäumen vorbei und endet vor einer größeren Schlammwiese. Bei genügend Regen füllt sich dieses Schlammbecken zu einem kleinen See auf. Baden würde ich da drinnen allerdings nicht.

Madeira
Grillhütte beim Forsthaus Fanal
Madeira
Madeira
Lagoa Kratersee

Wirklich abenteuerlich war diese kleine Wanderung zwar nicht, also zumindest nicht so, wie die Tour zum grünen Kessel, wo ich in einen eiskalten See gesprungen bin, dennoch gehört diese zu meinen absoluten Highlights auf Madeira. Ich finde der Rundweg ist auch ein absolutes Muss für jeden Baumfan, denn viele Stinklorbeerbäume gibt es nicht mehr auf der Welt. Diese Bäume brauchen einfach ein ganz bestimmtes, immer feuchtes Klima, welches nur noch in wenigen Regionen zu finden ist.

Kommentare:

  1. Hey, liebe Nossy! Madeira ist wirklich eine unglaublich vielfältige und wunderschöne Insel! Ich habe mich durch deine Beiträge gelesen und ihr habt teilweise wieder ganz andere Dinge erlebt als wir. Wirklich unglaublich, wie viele unterschiedliche Wanderungen und Erlebnisse man auf Madeira erleben kann! Tolle Beiträge und Fotos von deiner Reise! LG aus Kärnten, Anita vom Blog www.gailtalontour.com

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    1. Hey Anita,

      dass stimmt. Mich haben die teilweise vielfältigen Touren auch überrascht. Das hatte ich im vorhinein gar nicht so erwartet. Wobei ich auch finde, das einige Touren sich auch seeehr ähnlich sind.

      Ein paar Wanderungen habe ich übrigens noch in petto, die demnächst mal (also irgendwann mal :D) online gehen werden.

      Herzliche Grüße ans Gailtal ;)
      nossy

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  2. wahnsinn, das ist ja unfassbar schön da! du hast es soeben geschafft, madeira auf die "sollte man wohl doch irgendwann mal machen" liste zu bugsieren. ich habe ja nur einen tag im rahmen einer kreuzfahrt in funchal verbracht und war davon wenig begeistert. diese bäume im nebel sind dafür umso mehr nach meinem geschmackt. ist eigentlich dort immer nebel oder muss man reisezeittechnisch auf irgendetwas achten?

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    1. Oh, dass freut mich jetzt aber sehr! Vielen Dank :)

      Funchal war tatsächlich unsere Homebase. Dort haben wir genächtigt und ich finde, von Funchal aus konnte man auch alles gut erreichen. Die Stadt selbst war für mich ganz okay. Besonders ätzend war es aber, das nachts um 3:00 Uhr die Müllabfuhr kam. Geräusche die ich um diese Uhrzeit noch nicht mal aus Hamburg kenne. Tja, anderes Land, andere Sitten.

      Nebel ist natürlich nicht garantiert, die Chancen aber sehr hoch. In der einen Woche in der ich Anfang September dort war, gab es keinen einzigen Tag an dem es im Hochland nicht mindestens regnerisch war. Die Chancen stehen also gut im September. :) Man sagt übrigens von Mai bis September wären die schönsten Reisemonate, wo es auch die stabilste Wetterlage gibt. Im Grunde war der Nebel aber nur eine Wolke, die die Insel streifte. Madeira selbst ist ja eine ziemlich kleine Insel, dafür sind die Berge umso höher. Die Wolken die über das Meer kommen, schaffen es kaum über die Berge hinweg und wenn doch, dann hüllen sie das Hochland in Nebel oder sanften Niesel. Vor der Reise habe ich auch sehr oft gelesen, dass im Hochland immer kühles Wetter ist (wir hatten im Hochland immer 10°C weniger als in Funchal) und man immer eine Regenjacke dabei haben sollte.

      Lieben Gruß, nossy

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    2. oh na das ist ja schräg - dürfte eine portugiesische eigenheit sein, denn wir hatten dieses vergnügen in porto zwischen 1 und halb 2 ur früh.

      september geht bei mir leider nicht, da ich nur im mai und juni länger als 2, 3 tage urlaub nehmen kann. aber das sollte dann ja auch schon so sein :) auf teneriffa gibt es das auch. wenn man auf einer seite des teide ist, hat man dort auf einer gewissen höhe immer 20 grad und nieselwetter. ich finde sowas total spannend.

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    3. Also in den Monaten könntet ihr vielleicht mehr Blumen sehen, vermute ich mal. Im Reisemonat September hatte leider nicht mehr wirklich viel geblüht. Von der Blumeninsel, wie Madeira ja auch genannt wird, haben der Mann und ich nicht viel mitbekommen. Aber wir waren ja auch zum wandern da und nicht zum Blumen gucken, von daher hat es gepasst. :)

      LG, nossy

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  3. Liebe Nossy

    Ich finde es sehr vorbildlich, dass du lieber sorgfältig die Posts vorbereitest, als dich dem Druck zu beugen, dass alles zeitnah erscheinen muss. Man kann doch auch zehn Monate später noch in Erinnerungen schwelgen- vielleicht ist das sogar schöner.

    Der Wald ist wohl echt einem Märchen entsprungen... Wow. Einfach so zauberhaft und mystisch. Genau das mag ich ja ab und zu (wenn ich die richtige Kleidung habe). Außerdem bin ich für Kühe, vor allem in freier Wildbahn, immer zu haben :)

    Jetzt hast du mir echt Lust gemacht, auch genau wegen diesem Wald dort Urlaub zu machen!

    Liebe Grüße

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    1. Hey Tabea,

      auf jeden Fall festigt sich die Reise viel mehr im Langzeitgedächnis, durch das ständige "wieder rauskramen", finde ich. :D

      Wenn du wirklich einmal nach Madeira möchtest, solltest du entweder selbst ein sehr guter Autofahrer sein oder einen sehr guten dabei haben. Die Sepentinähnlichen Straßen sind manchmal schon recht abenteuerlich gewesen.

      Lieben Gruß, nossy

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  4. Hi Nossy,
    genau im privaten Familien-Umfeld oder sehr engem Freundeskreis, kann das schon sein aber auch da möchte man als diejenige vielleicht lieber selbst die Neuigkeit verkünden als einfach nur auf eine Frage zu antworten? Du hast völlig recht: man kann echt einfach nur verlieren und man hat 0 Vorteil davon! Ist schon echt seltsam...

    Wow, deine Fotos sehen auf jeden Fall richtig stark aus! Das ist wirklich ein absoluter Märchenwald!!
    Viele Grüße zurück!

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    1. Vielen Dank, Miriam! 😄

      Herzliche Grüße

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  5. Wow, richtig schöne Bilder - coole Gegend!

    Hat was vom Herr der Ringe und Sleepy Hollow... gefällt mir und dass es nicht so abenteuerlich war, hört sich so an, als könnte auch ich - Nullkommanull-Sportskanone - da lang wandern! Mal gucken, wohin die nächste Reise geht!

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    1. Ja, finde ich auch :)
      Ach, ich denke, wandern kann jeder. Oft ist es ja auch nichts anderes als spazierngehen. ;)

      LG, nossy

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  6. Wow!!! Danke für die traumhaften Fotos, dort sollte ich unbedingt mal hin. Gott sei Dank gibt es noch Plätze, wo di Natur so ist und es solche alten Bäume gibt.

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    1. Du sagst es! Ein echter Naturschatz. :)

      Viele Grüße,
      nossy

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