24.05.2017

Vom Glück und Glücklichsein

In den Tiefen der großen, weiten Internetwelt lese ich ständig vom Glück und vom Glücklichsein. Vom ewigen Positiven, vom finden des Glücks in all den kleinen Dingen. Vom berauschenden Zustand der entsteht, wenn das Glück dich erfüllt und vom grenzenlosen Optimismus, der keinen Raum für ein bisschen Pessimismus übrig lässt. 


Egal wo du in der Medienwelt hinblickst, dir wird ein Lächeln geschenkt, ein Strahlen. welches dich anstecken soll. Du bekommst Tipps wie du das Glück in dein Leben holen kannst, wie du generell glücklicher Leben kannst und wie du dein Glück vermehren kannst. Mal ehrlich, das klingt immer so als wäre Glück nichts anderes als Goldmünzen die du spielend leicht vermehren könntest. In diesen perfekten Bildern die dir geboten werden ist überall das Glück zu finden. Und wehe du siehst es nicht!


Glück ist kein Geschäft. Es ist kein Handel auf dem man sich einlässt und kein Tauschgeschäft. Du kannst es für kein Geld der Welt kaufen und du kannst es nicht gegen ein negatives Gefühl, wie Trauer, Schmerz oder Leid, auswechseln. Denn Glück ist etwas wertvolles. Es ist eine Empfindung, eine Beschreibung eines Gefühls, etwas das du in deiner Gefühlswelt Raum geben kannst, wenn du es möchtest. Glück ist ein Gefühl welches nur durch die Wechselwirkung mit einer anderen Empfindung entstehen kann. Wenn du dich glücklich fühlst, spürst du Freude. 

GLÜCK ist kein DAUERZUSTAND.

Für mich ist Glück kein erstrebenswerter Dauerzustand, auch wenn die Medienwelt uns gerne mal das Gegenteil glauben lassen will. Glück kann nie ein Dauerzustand sein. Es ist die Bezeichnung eines positiven Zufalls. Etwas, worauf ich keinen wirklichen Einfluss nehmen kann. Wenn ich bei einer Lotterie gewinne, dann habe ich Glück. Wie du siehst, ist es ein Zustand, auf den ich nun wirklich wenig Einfluss habe. Ich kann investieren und bekomme vielleicht einen Gewinn, mit Glück. Ich möchte alle meinen Empfindungen Raum geben können. Wenn ich im Herzen traurig bin, dann gebe ich mich dieser Empfindung hin. Diese Empfindung hat es verdient, dass ich ihr ebenso Aufmerksamkeit gebe wie all den anderen Empfindungen. Denn auch Trauer und all die anderen negativen Empfindungen sind wertvoll, so wie einfach alle Empfindungen kostbar sind. Sie machen das Leben aus.

Gerade wenn mich wieder überall das vermeidliche Glück anspringen will, mich durch dauergrinsende, junge Frauen von Zeitschriften aus anlächelt oder ich wieder unzählige Tipps im Netz lese die mir das Glück bringen sollen, dann frage ich mich immer: Warum muss das sein? Warum brauchen wir das? Ist unsere Gesellschaft so von Einsamkeit, Trauer, Leid und Schmerz durchzogen, dass die Menschen es nicht mehr schaffen ihren eigenen Weg zur inneren Zufriedenheit zu finden? Niemand kann ständig und immerzu fröhlich sein, grinsend durch die Gegend laufen und jederzeit fröhlich sein. So funktioniert das Leben einfach nicht.  Jeder hat irgendwann einmal dunkle Momente. Und ich finde das ist vollkommen okay!



Das was meiner Meinung nach wirklich erstrebenswert ist, ist Zufriedenheit und Lebensfrohsinn. Ich möchte mein Leben genießen, in allen Zügen! Da kann ich in glücklichen Momenten traurig sein wenn meine Gedanken abschweifen und da kann ich auch an traurigen Tagen trotzdem abends tanzend und singend vorm Herd stehen. Und all das ist okay. Ich darf in schlechten Zeiten lachen. Und ich darf in glücklichen Zeiten weinen.

Zufriedenheit ist im Gegensatz zum Glück ein Gefühl was ich immer in mir tragen kann, egal ob das Glück mir gerade holt ist oder nicht. Es ist ein Gefühl, was entstehen kann wenn ich mit mir selbst in Reinem bin, meinen eigenen Frieden gefunden haben und mit Demut all die positiven Dinge genieße die mir widerfahren. Zufriedenheit bedeutet dabei für mich nicht, dass ich mich mit meinem Schicksal abfinden muss. Aber es hilft mir, gewisse Dinge entspannter zu sehen und mich besser aufs Wesentliche zu konzentrieren. Es ist einfach realistischer und kann sich wie ein roter Faden durch das Leben ziehen, wohingegen Glück stets kommt und geht. Denn Zufriedenheit entsteht durch eine bestimmte innere Einstellung.


Wie hältst du es eigentlich mit dem Glück und dem Glücklichsein?

Die Fotos in dem Beitrag habe ich bewusst etwas düsterer gestaltet. Ich mag es sehr. Es muss nicht alles glänzen und strahlen. Ich kann auch froh sein, wenn mich Düsterheit umgibt. Ja, dass ist möglich. Das wichtigste ist doch, was ich im Herzen trage. 


Und da ist ganz viel Lebenslust und Frohsinn und auch jede Menge Zufriedenheit.

Wie sieht es bei dir aus?

Kommentare:

  1. Du hast Recht und triffst es auf den Punkt: Überall liest man vom Glücklich sein und werden. Dabei mag ich persönlich eigentlich auch meine "schlechten" Momente, weil ich die guten dann mehr zu schätzen weiß. So freue ich mich beispielsweise heute riesig darüber, mit meinem Pony erstmalig den Hof verlassen und die Zufahrt entlang geritten zu sein - denn daran war vor drei Tagen nicht zu denken. Es hat immer große Angst vor allem neuen Zeug...
    Aber wenn es diese Angst nicht hätte und ich seit dem ersten Tag an alleine im Gelände hätte reiten können, dann wüsste ich diesen Fortschritt (die ersten 3 Wochen konnte ich nicht mal allein aufsteigen...) gar nicht zu schätzen. Es wäre dann zwar immer noch nett, auszureiten, aber es wäre eben nichts besonderes mehr.

    Das Glück nur temporär sein kann in der Regel habe ich damals in Ethik auch gelernt. Glück haben ist ein Moment, in dem was (unerwartet) Gutes passiert. Glücklich sein ist ein Gefühl, wenn man gerade den Fokus auf das Gute im Leben legt und die kleinen Problemchen ausblenden kann. Und Zufriedenheit - das ist das, was ich erstrebenswert finde, denn das heißt für mich: Ab und zu fühle ich mich glücklich, aber ich akzeptiere, dass es auch Rückschläge, Trauer und Stress geben muss, damit ich all das, was ich tolles habe und erlebe, zu schätzen weiß.

    Also: Ich stimme dir zu - wir brauchen nicht immer Glück haben und glücklich sein.

    Übrigens: Die Fotos sind wundervoll - ich liebe es, dass sie sich von den gewöhnlichen, hellen Blumenbildern abheben. Irgendwie sind sie durch deine dunklere Farbgebung auch gleich ausdrucksstärker. Trotzdem - mein Herz hat der kleine Hund erobert - denn Tiere sind für mich echt sehr wichtig, um mich glücklich zu fühlen.

    Liebe Grüße

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    1. Das freut mich für dich, dass du mit Adena so gute Vortschritte machst! Da rückt der Moment wo du mit ihr wirklich ganz entspannte Ausritte unternehmen kannst immer weiter in die Nähe. :)

      Ich finde es interessant, was so alles im Ethikunterricht gelehrt wird. Bei mir gab es so ein Schulfach gar nicht und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass so ein Thema in einem anderen Fach behandelt wurde.

      Und vielen Dank für deine lieben Worte zu den Fotos. :)

      Liebe Grüße, nossy

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  2. Ja, das stimmt. Ich möchte auch lieber gleichmäßig zufrieden sein, anstatt durchgängig glücklich.

    Ich finde dieses Dauer-Glücklich-Grinsen auch unnatürlich. Auf Youtube fällt das besonders auf... kreischend, fröhlich in die Kamera winkend. Und wenn man so hört, wird für viele daraus eine Fassade, die sie unglücklich bishin depressiv macht.

    "Das Leben ist eine Waage!", sage ich mir immer... wo Licht ist, muss auch Schatten sein!

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    1. Das stimmt, das eine geht im Grunde nicht ohne das andere. Und ich meine auch mal irgendwo gehört oder gelesen zu haben, dass Menschen die beispielsweise von Beruf aus immer fröhlich sein und lächeln müssen, viel eher dunkle Gedanken bekommen und innerlich unzufrieden sind als andere. Aber vielleicht täuscht mich da auch meine Erinnerung.

      Viele Grüße, nossy

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  3. Ich sag auch immer, dass ich nicht unbedingt glücklich aber zufrieden bin :)
    Aber in den Medien wird einem doch mittlerweile überall vorgegaukelt, dass das eigene Leben Rotz ist - egal wie es ist. Es ist Rotz! ;) Mach es besser, mach dich besser, mach deine Umwelt besser.

    LG
    Bammü

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    1. Das schlimme ist, das man irgendwann anfängt zu glauben, dass das eigene Leben Rotz ist.

      *winkz*
      nossy

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  4. ein sehr schöner post, der mir in vielen punkten - wie du dir vielleicht denken kannst - direkt aus dem herzen spricht! glück können wir nicht wirklich beeinflussen und es ist immer nur eine momentaufnahme, aber eine grundzufriedenheit, das ist das, worauf es ankommt. ich bin kein verschwörungstheoretiker, aber mit grundzufriedenen menschen lässt sich wesentlich weniger geld machen als mit jenen, die immer nach dem glücks-kick suchen...

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    1. Ja, dass stimmt leider. Unsere Gesellschaften ticken viel zu monetär. Und mit dem guten Mittelmaß, also der ausgewogenen Zufriedenheit, lässt sich ja leider nur wenig Geld verdienen, also müssen Erwartungen und Bedürfnisse geweckt und beinahe schon heraufbeschworen werden... traurig irgendwie.

      Herzliche Grüße, nossy

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