31.08.2014

“Sei kreativ”

Da die liebe Bammy auf ihrer myStorys-Seite einige Leser bekommen hat, hatte sie ihr Gewinnspielversprechen eingelöst und das Gewinnspiel "Sei kreativ" ins Leben gerufen. Der Einsendeschluss ist heute, und wie immer wenn es um kreative Dinge geht, schaffe ich es prinzipiell erst in der (fast) letzten Minute meinen Beitrag fertig zu stellen. 

Die Herausforderung war, aus neun kleinen Bildern etwas kreatives umzusetzen. Man konnte malen, zeichnen, schreiben oder dichten. Alles rund um die Regeln, könnt ihr selbstverständlich auf ihrer Blogseite nachlesen. 

Ich selbst habe mich an einer kleinen Geschichte versucht. Die neun Bildchen die sich in dem kreativen Beitrag wiederfinden sollten, sind übrigens fettgeschrieben. Sicher ist meine kleine Geschichte kein Meisterwerk da es zugegeben, auch mein erster Versuch ist, aber ich denke mein Versuch kann sich zumindest sehen lassen. Ob es eine Fortsetzung geben wird? Naja wer weiß... möglich ist alles! Denn ich finde irgendwie wirkt mein Beitrag eher wie ein Prolog zu einer viel, viel größeren und umfangreicheren Geschichte, aber nun ja..  ^^°

Lange Rede, kurzer Sinn.
Wenn ihr meinen Beitrag lesen wollt, dann einfach den folgenden Link anklicken:






Keana


Dunkle Wolken verheißen nichts Gutes. Seit Tagen regnet es nun schon. Die Menschen huschen in geduckter Haltung wie scheue Katzen über die Straßen. Die einen verschwinden im nächsten Dinner, die anderen wählen den nächsten Kiosk. In der Luft knistert es unheilvoll, wie in dem Moment vor einer Explosion. Die Welt, getaucht in einem Sammelsurium aus Grau, wartet vergeblich darauf die Melancholie abzustreifen und wieder aufatmen zu dürfen.

Keanas schwere Boots hinterließen mit jedem Schritt einen nassen Fußabdruck auf dem gelbgrauen Linoleumboden. Abgesehen von dem hohen Alter des abgetretenen Bodenbelags schien dieser am heutigen Tage noch recht jungfräulich zu sein, andernfalls würde sie wohl wesentlich mehr Dreck vorfinden. Nur auf dem stämmigen Pole war wie immer verlass. „Guten Abend Igor.“, grüßte sie den stummen Wärter mit einem flüchtigen Nicken, während dieser bereits einen Zettel über den Tresen schob den die Brünette unterschrieb. „Denk daran Igor; nicht so viel in die Glotze gucken.“, zwinkert sie, als der Stift wieder zurückging. Doch der Hüne antwortete nur mit einem verachtenden Schnauben, bevor sein Blick kurz zu der Flimmerkiste huschte. Keana lachte leise und setzte ihren Weg fort. Sie kannte den Mann weniger Worte gut genug, dass sie ihn einschätzen konnte. Er hatte einen Sack voller Probleme, war schweigsam und nicht selten verärgert, aber er  konnte für das Einstehen was er liebte. Dafür schätzte sie ihn. Man verstand sich, das genügte. Mehr verlangte sie nicht und der Wärter ebenfalls nicht. Dennoch ließ er es sich nicht nehmen, Keana hinterher zu sehen. Wer wollte auch schon diese Rückansicht verpassen? Brünettes, schulterlanges Haar, die schmale Schultern verhüllt von einer Biker Jacke und erst diese langen, schlanken Beine die perfekt in der engen Jeans zur Geltung kamen. Kopfschüttelnd stahl sich ein Schmunzeln auf seine schmalen Lippen, als sie aus seinem Blickfeld entschwunden war. Diese Frau hatte einfach etwas Geheimnisvolles an sich.
Wenig später stand die Brünette in ihrer Kabine des Schießstandes. Eine Glock in der Hand und eine Zielscheibe vor sich. Zielen und feuern. Zielen und feuern. Immer und immer wieder. Unaufhaltsam fand die Munition ihren Weg in die Mitte der Zielscheibe. Die monotonen lauten Knallgeräusche wurden nur unterbrochen, damit das leere Magazin gewechselt werden konnte. Minuten und Stunden vergingen. Andere trainierten hier, übten für ihre nächste Auszeichnung. Nicht selten sammelten viele Schützen Abzeichen und präsentierten sie stolz.
Keana allerdings nicht. Sie kam hier her um nachzudenken. Die Monotonie und die wiederkehrenden Wiederholungen entspannten sie. Für gewöhnlich. Heute war es irgendwie anders. Es musste am ewigen Dauerregen liegen. Dieser schlug selbst ihr auf das Gemüt.
Erinnerungsfetzen legten sich verschwommen vor ihr Auge. Da war dieses Motorrad, diese ungeheure Geschwindigkeit. Sie erkannte die Tachonadel, wie sie nach rechts Ausschlug und kaum noch merklich zuckte. Der Wind küsste kalt ihr Gesicht und presste sich gegen ihren Körper. Die Atmung wurde schwer und mit einem male knallte sie ihre Pistole auf den Tisch vor sich. Mit beiden Händen stützte sich Keana ab. Sie brauchte halt. Nur für einen Moment. Gleich würde es wieder gehen und das Zittern ihrer Hände nachlassen. Ihr Kopf viel nach vorn und tief atmete sie durch. Einmal. Zweimal. Und beim dritten Mal hob sie ihn wieder. Der Blick ihrer grünen Augen fiel auf die Zielscheibe. Ihr Gesicht fühlte sich heiß an und ihr Blick schien leer. Sie konnte die Zielscheibe sehen, all die Einschusslöcher und doch sah sie sie wieder nicht – nur jene Erinnerung. Sie sollte Schluss machen für heute. Heute war wohl nicht ihr Tag. Es war Zeit zu gehen.

Keana nutzte den Hinterausgang. Sie wollte Igor nicht wieder begegnen, er würde nur Fragen stellen auf die sie jetzt nicht antworten wollte. Tief atmete sie durch. Die Luft war herrlich frisch. Der Regen hatte aufgehört, auch wenn der Himmel immer noch mit der riesigen, grauen Wolke bedeckt war, die kein Ende zu haben schien. Die Feuerschutztür fiel hinter ihr quietschend ins Schloss. Igor hatte sicher schon längst bemerkt, welchen Ausgang sie genommen hatte. Er würde ihr verzeihen, so wie er es immer tat. Naja, hoffte sie zumindest. Gerade als sie gehen wollte, trieb der Wind ein Flugblatt gegen ihre Beine. Es musste sich von einer Wand gelöst haben. Als Keana es ergriff, erkannte sie was darauf abgebildet war. Ihre Augen verengten sich unverzüglich. „Das ist unmöglich!“, entfuhr es ihr. Vor dem Hintergrund eines Zirkuszeltes, schwang ein Dompteur seine Peitsche. Die Pferde, der Tiger und der Clown rückten aus ihrem Blickfeld, sie starrte nur das Gesicht des Dompteures an. „Unmöglich…“, wisperte sie. Und doch eindeutig, es gab keinen Zweifel. „Er ist es…“, für einen Moment schien ihr Herz stehen geblieben zu sein und jetzt schlug es umso schneller.

So schnell ihre Füße sie tragen konnten, rannte Keana die Straße hinunter. Das Flugblatt fest umklammert.


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